Gedichte/Geschichten

Am Anfang, sagte der Apfel Etwas andere Geschichten von der Schöpfung von A bis Z

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  • erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz, 2016

Rezensionen

Hans-Joachim Gelberg -

„Ein großer Wurf“


Hans-Joachim Gelberg

Ulrich Karger - Büchernachlese @ Ulrich Karger

Viele Religionen erzählen von einem Anfang der Welt, was wiederum ein Vorzeichen für ihre jeweiligen Vorstellungen und Glaubensinhalte bildet. All diesen „Schöpfungsgeschichten“ ist gemeinsam, dass sie dabei nicht zuletzt auch nach dem Anfang des Menschen fragen.
Manfred Schlüter beschreitet nun mit „Am Anfang, sagte der Apfel“ einen ganz neuen Zugang zu Schöpfungsgeschichten. Denn natürlich haben auch Äpfel eine Vorstellung von ihrer Entstehung. Und wer meint, die können weder denken noch sprechen, der irrt. Ein Apfel „spricht sehr leise. Und viele hören seine Worte nicht. Nur, wenn man die Ohren weit, weit öffnet und groß wie Segel werden lässt, dann … ja, dann kann man ihn hören.“ Und nicht nur ihn, sondern ein ganzes ABC von Tieren, Pflanzen und Dingen, das in seinem Buch mit Bär und Chamäleon fortgesetzt wird, dabei auch einen Kuss und davor selbst Gott nicht vernachlässigt und schließlich mit einem Zettel endet.
Außer eine gemeinsame für X und Y, gibt es für jeden Buchstaben eine Seite und daneben eine mal altmeisterlich, mal etwas plakativer ausgeführte, aber stets mit Witz um die Ecke herum kommentierende Ganzseiten-Farbillustration. Und alle Seiten sind gut anzufassen, weil in sehr dicker Fotodruckqualität.
Das ganze Buch ist ein im Wortsinn wunderbarer Beleg für die Doppelbegabung Schlüters, der aber nicht nur als Autor und Bildender Künstler sein Handwerk ausgezeichnet versteht, sondern damit eben auch einen subversiv anarchischen Humor zum Ausdruck bringen kann, der hier altersübergreifend einmal mehr gewiss nicht nur Kinder ansprechen wird. Damit nimmt er jede/n auf seinen fantasievollen Gedankenspielen mit, um ganz am Ende mit einem „und Du?“ zum Nachdenken über die eigenen Vorstellungen anzuregen.
Schöner, unaufdringlicher und umso einleuchtender kann das Selbstverständliche am Anderssein kaum eingeführt werden. Ein echtes Geschenk, das gerade in diesen von Schreckensnachrichten getränkten Zeiten seinen Preis voll und ganz wert ist und mit dem man nichts falsch machen kann - weder bei sich noch bei anderen.

https://buechernachlese.de/archiv/uk_schlueter_manfred_am-anfang-sagte-der-apfel.html

Büchernachlese @ Ulrich Karger
Ulrich Karger

Andreas Markt-Huter - Lesen in Tirol

„Am Anfang, sagte der Apfel, am Anfang war ein Kern. Ein winzig kleiner Kern. Der schwebte irgendwo im Weltenraum und platzte eines Tages. Ein zartes Grün spross. Das rechte sich und streckte sich.“

„Am Anfang, sagt …“ heißt es zu Beginn eines jeden Gedichts, das uns die Schöpfung aus unterschiedlichsten Perspektiven von A wie Apfel bis Z wie Zettel vorstellt. Die außergewöhnliche Sammlung an Schöpfungsgeschichten umfasst sowohl Tiere als auch Pflanzen, Gegenstände und selbst Buchstaben erzählen ihre ganz eigene Sicht vom Anfang, wie alles begann.

Warum ist die Welt so, wie sie ist? Oder warum sehen wir die Welt so, wie wir sie sehen? Antwort darauf geben verschiedene Zweige der Wissenschaft, aber auch die Philosophie bietet verschiedene Ansätze, wie Erkenntnis zustande kommt. Selten gelingt es die verschiedenen Betrachtungsmöglichkeiten und Erkenntnismöglichkeiten unserer Welt auf poetischere Weise zum Ausdruck zu bringen, wie in Manfred Schlüters etwas anderen „Geschichten von der Schöpfung von A bis Z“.

Für den Apfel liegt der Anfang der Schöpfung in einem Kern, für einen Bären in einer dunklen Höhle, für den Denker in Fragen und für die Insel im Wasser. Der Joker erklärt „am Anfang ging alles schief“, und das Lied stellt die Stille an den Anfang allen Seins. Die Maus erblickt den Anfang in einem riesengroßen Käse, und für den Ofen war es zunächst dunkle Nacht und kalt.

Manfred Schlüter erzählt uns das Alpha und Omega der Schöpfung mit so vielen Anfängen wie es Buchstaben gibt im Alphabet, wenn man davon absieht, dass X und Y einen gemeinsamen Anfang im A erkennen und am Ende ihre Existenzberechtigung grundsätzlich in Frage stellen. Was am Anfang der Schöpfung einer Geschichte steht, erfahren wir im letzten Gedicht „Der Zettel“:

Am Anfang, sagte der Zettel, am Anfang war alles weiß. So weiß wie ich.

Gedanken über den Anfang der Welt sind wie ein Blick auf die Sterne. Je länger wie den Himmel betrachten, desto mehr Sterne können wir entdecken. Manfred Schlüter eröffnet den Leserinnen und Lesern mit seinen Geschichten von der Schöpfung von A bis Z ein Universum an Gedanken und Fantasie als Angebot, sich in anderes hineinzuversetzen, die Brille zu wechseln und die Welt aus den unterschiedlichsten möglichen und unmöglichen Blickwinkeln zu betrachten.

Ein wunderschönes Geschichtenbuch für Kinder und Erwachsene zum gemeinsamen und einsamen Lesen, zum Philosophieren und Diskutieren oder ganz einfach nur zum Träumen und Ausdenken neuer Schöpfungsgeschichten, neuer Perspektiven, um uns am Ende selber besser kennenzulernen.

Lesen in Tirol
Andreas Markt-Huter

Andrea Wanner - titel-kulturmagazin.net

Irgendwann muss alles einmal angefangen haben. Wie, das wissen wir nicht. ANDREA WANNER hat die Schöpfungsgeschichten von Manfred Schlüter gelesen.

http://www.titel-kulturmagazin.net/2017/01/09/manfred-schlueter-am-anfang-sagte-der-apfel/

titel-kulturmagazin.net
Andrea Wanner

Literarischer Adventskalender - Radio 100,7 Luxemburg

https://www.100komma7.lu/program/episode/135350/201612061645-201612061648

Radio 100,7 Luxemburg
Literarischer Adventskalender

Alexandra Ritter - Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Ein ABC der Schöpfungsgeschichten

Wie hat alles angefangen? Wie ist unsere Welt entstanden? Diesen Fragen nähert sich Manfred Schlüter nicht mit bekannten Schöpfungsgeschichten. Vielmehr lässt er in einem Abcedarium 26 Dinge mit ihren ganz eigenen Erzählungen über die Welt zu Wort kommen. In poetischen Versen erzählt beispielsweise der Apfel, wie aus einem Kern die Sterne hervorgehen. Oder der Hering berichtet, wie die Tränen des Schöpfers zu Meeren werden. Die großen Dinge der Welt entspringen hier den kleinen und unscheinbaren Momenten und machen die Schöpfung zu etwas sehr Konkretem. Die bildhafte Sprache und besonders der sich wiederholende Anfang erzeugen dabei Intensität und Nachdenklichkeit. Jeder Vers wird begleitet von einer ganzseitigen, farbigen Illustration, die meist nur einzelne Gegenstände fokussiert. Oft sind das jedoch symbolische Motive, wie ein Vorhang für den Nebel, die Spannung zum Text erzeugen. So entdeckt man auf jeder Seite eine neue Perspektive auf die Schöpfung, die zum Nachdenken anregt. Am Ende wird der Lesende selbst angesprochen: Was denkst du? Wie hat alles angefangen?

JuLit 2/18

Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Alexandra Ritter