Bilderbücher

Der kleine Herr Jemine

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  • erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz, 2017
  • Übrigens:
    Das Hamburger Ohnsorg Theater (Ohnsorg Studio)
    wird meinen kleinen Herrn auf die Bühne bringen:
    "De lütte Herr Jemine". Auf Hoch- & Plattdeutsch.
    Vom 17. Februar bis zum 12. April 2019.
    Und am 13. Juni 2019 ist Premiere
    im Jungen Staatstheater in Oldenburg.
    Fassung & Plattdeutsch: Cornelia Ehlers & Ayla Yeginer.
    Inszenierung: Ayla Yeginer. Ausstattung: Telse Hand.
    Musik: Thomas Esser.
    Mit: Thomas Esser, Peter Christoph Grünberg.

Rezensionen

Andrea Wanner - titel-kulturmagazin.net

Eine Parabel über Wachstum und Konsum, über Notwendiges und Unnötiges, Wesentliches und Überflüssiges, über das, was einen wirklich zufrieden macht und all die Dinge, die man nur vermeintlich braucht.

https://titel-kulturmagazin.net/2017/10/09/kinderbuch-manfred-schlueter-der-kleine-herr-jemine/

titel-kulturmagazin.net
Andrea Wanner

Prof. Dr. Peter Conrady -

Kann ein Bilderbuch die Welt erklären? "Der kleine Herr Jemine" kann das. Er schafft sich seine Welt, irgendwo draußen auf seinem Planeten. Erst ein Haus, ein Bett, dann einen Stuhl, einen Tisch, einen Schrank. Schließlich baut sich der kleine Herr Jemine ein Auto, um auf seinem Planeten umherzufahren, dazu eine Straße, eine Tankstelle, ein Flugzeug, eine Start- und eine Landebahn - bis sein Planet voll, übervoll ist. Auch sein Kopf. Dunkel und wie ein böser Traum. Weder beten noch schreien können ihn befreien. Handeln! Das ist die Lösung.
Und so baut der kleine Herr Jemine alles wieder ab und zurück. Nur sein Haus behält er, um gemütlich das Leben zu leben und so beglückt zu singen und seinen Blumen und Bäumen Geschichten zu erzählen: "Endlich glücklich."
Sein Name ist Programm: Herr Jemine - gekürzt aus "Herr Jesus domine". Doch nicht wie es im Johannesevangelium heißt: Im Anfang war das Wort, sondern: Im Anfang war die Tat. So erschafft der Herr in diesem nachdenklichen Bilderbuch seine Welt, alles für sein Wohlbefinden. "Er baute und baute ..." Bis eines Tages sein ganzer Planet voll und schwer und schwarz ist, bewusst von Manfred Schlüter in der Buchmitte ins Bild gesetzt. Sein Planet rundherum mit Häusersilhouetten bestückt. Selbst sein ständiger Begleiter, der Vogel, flattert schwarz außerhalb des Landes. Lediglich noch der kleine Herr Jemine, farbig, und vier Buchstabenblätter sind sichtbar: O + W + E + h.
Der Mensch hat hier in seiner Hybris, gottgleich zu sein, gewirkt und alles nach seinem Willen erschaffen. Ja, er trägt sogar dessen Namen, zwar sicherheitshalber nur in abgeleiteter Form, denn ansonsten könnte es einen Konflikt mit dem Kirchengebot geben. Doch zugleich mutet dieser Name an wie eine Beschwörungsformel: Ich mache mir meine Welt!
Das ist sichtbar und fühlbar eine Fehleinschätzung.
Moses lässt in der Schöpfungsgeschichte Gott am 7. Tag erkennen: Und Gott sah, dass es gut war. Als Herr Jemine sieht, was er sich erschaffen hat, verzweifelt er zutiefst.
Das ist sein Wendepunkt. Er besinnt sich auf sich selbst: sein Haus mit Tisch und Stuhl und Schrank und Bett. Glücklich sein mit Blumen und Bäumen und Geschichten.
Manfred Schlüter scheut sich nicht, das in Bildern und Texten zu dokumentieren. Eindrucksvoll zeichnet er das Wesentliche bis ins Detail mit zarten Farben. Plakativ füllt er jede Doppelseite mit dem Geschehen. Und bei den Texten orientiert sich Manfred Schlüter sprachlich an den kindlichen Wahrnehmungs- und Lernfähigkeiten. Insbesondere durch den sinnbezogenen Flattersatz, bei dem in jeder Zeile nur das steht, was inhaltlich zusammengehört, können auch die Kinder, die mit dem Lesen beginnen, nach und nach selbstständig den Text erlesen.
Darüber hinaus bieten sich die Bilderbuchepisoden an, sie als Ensemble szenisch zu gestalten. Hilfreich ist dabei eine theaterpädagogische Begleitung.
Pars pro toto. Im Einzelnen spiegelt sich das Ganze. So angeleitet erleben und erkennen Kinder ab dem Kita-Alter bis in die ersten Schuljahre das Geschehen und die Botschaft deutlich und innig.


Prof. Dr. Peter Conrady

Ulrich Karger - Buechernachlese @ Ulrich Karger

Der kleine Herr Jemine
lebte irgendwo im weiten Weltenraum
auf einem winzigen Planeten
und war glücklich.
eigentlich.
Doch irgendetwas fehlte ihm.
Immer, immer wieder ...
Irgendwann erkennt er,
Dass weniger manchmal mehr ist.

Manfred Schlüter hat mit "Der kleine Herr Jemine" eine wundervolle Geschichte in ein wundervolles Bilderbuch gepackt, das ein wenig an Antoine de Saint-Exupéry gemahnt und doch ganz anders ist.
Denn auch wenn Herr Jemine wie der kleine Prinz auf einem kleinen Planeten lebt, fragt er nicht nach Liebe, sondern nach dem Glücklichsein. Eigentlich hat er dazu ja Alles, doch dann stößt er sein namengebendes "Herrjemine" aus und will immer noch etwas mehr haben. Und als am Ende sein winziger Planet so voll ist, dass weder Blumen noch Bäume und auch nicht einmal die zweieinhalb Berge zu sehen sind, gibt es nur noch eine Lösung ...
Der Text von bestechender Klarheit und Einfachheit wird gewiss auch von kleinen Zuhörern gut verstanden und aufgenommen. Die Bilder von Schlüter sind in ihrer Farbenpracht köstlich durchkomponiert und gehen stets über den Text hinaus. So anschaulich für Kinder, so werden auch Erwachsene von Schlüters menschenfreundlich subtiler Ironie nicht kalt gelassen.
Das zeigt bereits Wirkung: So hat das Hamburger Ohnsorg Studio des Ohnsorg Theaters das Bilderbuch adaptiert und wird es vom 17. Februar bis zum 12. April 2019 unter dem Titel "De lütte Herr Jemine" auf Hoch- & Plattdeutsch auf die Bühne bringen. Und am 13. Juni 2019 ist dann Premiere im Jungen Staatstheater in Oldenburg ...

www.buechernachlese.de/archiv/uk_schlueter_manfred_der-kleine-herr-jemine.html

Buechernachlese @ Ulrich Karger
Ulrich Karger