Gedichte / Geschichten
TANZE NACHTS AUF WILDEN WELLEN
Zum Schmökern bitte das Buch aufklappen
erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz, 2025
Am Ende des Buches ist folgender Text zu lesen:
Zum Schluss
Ich lebe und arbeite seit über vierzig Jahren in einem Dorf an der schleswig-holsteinischen Westküste. Das flache Land unterm endlos weiten Himmel hat mich geprägt. Hat mich angeregt. Tief bewegt. Aufgeregt. Hat mir Geschichten geschenkt. Gedanken. Und diese Gedichte. Die meisten sind in den Jahren 2021 und 2022 entstanden. Nahezu alle atmen die salzige Luft der See und schmecken nach Ebbe und Flut. So ist das. Und doch ist alles ganz anders.
Ich habe mich immer wieder verirrt, in den Amtsblättern früherer Regierungen, im Alten Testament und anderen Schriftstücken, habe in diesen vergilbten Blättern Worte und Sätze gefunden, die meinen Gedichten auf eine besondere Weise nah sind. Sie ließen sich nicht scheuchen. Also blieben sie.
Den Dichterfreunden Uwe-Michael Gutzschhahn und Arne Rautenberg danke ich herzlich für den kritischen Blick, für Zuspruch und Anregung.
Rezensionen
Der Dichter und Sams-Erfinder Paul Maar hat ihm einst ein feines kollegiales Vorwort zu seinem Kindergedichtband "Reime Eimer" verpasst. Und als Meister hochgewitzter Gedichte für die Jüngsten ist Manfred Schlüter, der an der Westküste Schleswig-Holsteins als Schriftsteller und Bildkünstler lebt und arbeitet, bekannt wie ein bunter Seehund. Dass er nun, im zarten Alter von 72 Jahren, seinen ersten Gedichtband für Nicht-mehr-Kinder, vulgo für Erwachsene vorlegt, ist ein Glücksfall. Wer seit Jahren Gedichte für Kinder geschrieben hat und schreibt, weiß nur zu gut, dass jede Art von Schwurbelei, hermetischer Abriegelung oder Herablassung schlicht und einfach Gift ist für das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger. Entstanden ist hier ein Band mit Gedichten, in denen ein Weltbürger aus dem Vollen regionaler Natur und Geschichte schöpft. Heimatliteratur im allerbesten Sinne, ohne jeden Anflug von Provinzialität.
Michael Augustin - Augustins Lyrikkiste in Lesart 1/2026
Mittlerweile (...) hat er längst einen eigenen erkennbaren Ton gefunden, der (...) einen unangestrengt weise formulierten Metaphernreichtum ausbreitet und somit reich an Sprachbildern ist, die sich schnell im Gedächtnis der Leserschaft verhaken. Alles zusammen Dichtkunst, die preiswürdig ist und verdient, in die Büchernachlese-Bestenliste eingereiht zu werden. Chapeau!
Ulrich Karger - Buechernachlese
ein großartiger gedichtband. ein wichtiger gedichtband auch für SH. (...) du hast mit deinem ersten gedichtband für erwachsene ein fettes brett gebohrt. gratulation dazu! - - und ich wünsche deinen feinen gedichten den verdienten erfolg! auch die visuelle ebene mit der stahlstichoptik ist völlig passend und überzeugend. kurzum: chapeau!
dies mit den wertschätzendsten grüßen
arne
(aus einer Mail)
Arne Rautenberg - Lyriker und Bildender Künstler
Hier (...) ein Päckchen angekommen mit Deinem wunderbaren Gedichtband. Ich bewundere (...) Deine nie zu enden scheinende Kreativität und Schaffenskraft und freue mich sehr, dass ich etwas davon abbekomme.
(aus einer Mail)
Mareike Krügel - Schriftstellerin
Man spürt den Wind im Gesicht, hört die Wellen rauschen, hat einen weiten Blick über das platte Land. Wie sehr du mit Land und Leuten verwachsen bist! In unserer immer flüchtiger werdenden Welt ist deine Beständigkeit wie ein Anker für das Kleine, Unscheinbare, Wesentliche. Danke dafür, lieber Freund!
(aus einer Postkarte)
Herbert Günther - Schriftsteller und Übersetzer
TANZE NACHTS AUF WILDEN WELLEN ist ein Band, der das Abseitige nicht folkloristisch ausstellt, sondern ernst nimmt. (...)
Das Wasser ist hier nicht bloß Naturphänomen, sondern Erinnerungsraum, Bedrohung, Lebensbedingung und poetisches Grundelement zugleich. Bereits der Titel TANZE NACHTS AUF WILDEN WELLEN trägt dieses Motiv in sich. Er hat etwas Beschwingtes, fast Beschwörendes, und verbindet die Vorstellung von Bewegung mit einer leisen Verheißung. (...) Schlüter gelingt es, poetische Wahrnehmung und regionale Wirklichkeit miteinander zu verbinden.. Seine Sprache kann sehr bildhaft sein, dann wieder schlicht, konkret, fast nüchtern. Diese Wechsel gehören zum Charakter des Buches. Immer wieder werden die Gedichte durch sachliche Passagen unterbrochen, durch Texte, die etwa auf Plinius den Älteren zurückgehen oder aus Amtsblättern stammen. Das ist ein ungewöhnliches Verfahren, das dem Band eine eigene Textur verleiht. Die lyrische Stimme bleibt dadurch nicht für sich, sondern tritt in ein Spannungsverhältnis zu dokumentarischen, historischen und administrativen Sprechweisen. Gerade diese Montage macht den Band besonders. Sie öffnet das Gedicht hin zur Geschichte, zum Archiv, zur materiellen Wirklichkeit des Landes. (...)
Die Gedichte lesen sich als eine Hymne an das Meer, an das flache Land und an die Geschichten, die sich dort im Lauf eines Lebens ansammeln. Sie sind Rückblick und Bilanz, manchmal fast Chronik. Sie halten fest, was war, was ist und was vielleicht bleibt. In diesem Sinn kann man das Buch auch als eine poetische Form von Geschichtsschreibung lesen, als Versuch, die Nordseeküste und das Leben ihrer Bewohner literarisch zu bewahren, ohne sie zu verklären. Schlüter schreibt nicht über das Land hinweg, sondern aus seiner Nähe.
So entsteht ein Band, der Regionalität nicht als Enge, sondern als Erfahrungsraum begreift. TANZE NACHTS AUF WILDEN WELLEN zeigt, dass das vermeintlich Kleine, Abgelegene und Provinzielle ein eigener poetischer Kosmos sein kann. Vielleicht ist es gerade deshalb folgerichtig, dass dieses Buch in der Bibliothek der Provinz erschienen ist. Denn Schlüters Gedichte geben jenen Räumen eine Stimme, die oft am Rand liegen und doch voller Geschichten sind.
Florian Birnmeyer - Signaturen - FORUM FÜR AUTONOME POESIE